"Mich begleitet besonders die Botschaft der Engel auf den Feldern: Fürchtet euch nicht! Denn dieses Jahr hat viele Sorgen gebracht, die uns auch im neuen begleiten werden. Sorgen um Gesundheit, Sicherheit, Auskommen, Zukunft", beschreibt die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst den Hintergrund ihrer diesjährigen Weihnachtsbotschaft in Festpredigten und Briefen an Mitarbeitende.

"Das Fürchtet-euch-nicht der Engel trifft mitten in unseren Alltag mit allem, was wir derzeit erleben und erleiden."
Verängstigte Menschen und furchtlose Engel
Wir stünden vor vielfältigen Herausforderungen, meint Wüst. Aktuell stelle der #wärmewinter Kirche, Diakonie und Gesellschaft vor die Frage, wie Menschen in Notlagen Haus und Herz erwärmt werden könne. Soziale Ungleichheit müsse ebenso dringlich angegangen werden wie gerechtere Bildungskonzepte. Weitere Herausforderungen seien der angemessene Umgang mit Klimafragen, mit Krieg und Kriegsflüchtlingen. Zudem gelte es - angesichts antidemokratischer Strömungen im In- und Ausland – die Demokratie zu stärken.
"Es gibt für uns alle viele Herausforderungen und Ängste in diesen Tagen. Das Kind im Stall löst nicht alle Furcht in Luft auf, aber es "empowert" uns, gibt uns Kraft, mit all dem umzugehen, was das Leben bringt. So können wir einander zu Engeln werden, die gemeinsam das Leben meistern. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit", ermutigt die Kirchenpräsidentin.

Ein Türöffner-Kind und eine Türöffner-Kirche
Im Bezug auf den audiovisuellen Adventskalender rund um Türen im Alltag - in diesem Jahr auf der Website der Landeskirche zu finden - spricht Dorothee Wüst von Christus als Türöffner-Kind und der Kirche als Türöffner-Kirche: "In der Heiligen Nacht öffnet Gott den Himmel, gibt sich schrankenlos hin, eröffnet grenzenlose Liebe. Zu uns. Unter uns. In diesem Türöffner-Kind. Nie wieder hat sich diese Tür geschlossen. Die Tür zu Liebe und Hoffnung." Nach Weihnachten öffne sich die Tür zu einem neuen Jahr. Gott allein wisse, was es bringen werde. Aber er lasse wissen, dass sich niemand fürchten müsse.
"Gottes Tür ist und bleibt offen. Er geht mit uns. Und wir öffnen weiter Türen. Zu Hoffnung, Sehnsucht, Mitmenschlichkeit. Zueinander. Zu Menschen. Als Türöffner-Kirche. Mag sein, dass wir manchmal Türen geschlossen halten müssen. Wegen Corona, wegen Energie, wegen Sparmaßnahmen. Entscheidend ist, dass die Tür immer offen bleibt für Menschen, die unseren Rat und unsere Unterstützung brauchen. Und das tut sie", betont Wüst.

Kirche bleibt relevant
Auch wenn Kirche gesellschaftlich an Relevanz verliere, sei sie weiterhin für viele Menschen lebenswichtig. Etwa in Diakonie und Seelsorge. Vieles sei unspektakulär, was Kirche an der Stelle tut und darum auch nicht in den Schlagzeilen zu finden. "Das kommt öffentlich nicht vor: Der mitfühlende Schulterdruck neben einem offenen Grab, das wortlose Lächeln einem Fremden gegenüber, das offene Ohr für einen alten Menschen, der einfach nur ein bisschen reden will, der aufmerksame Blick für ein Kind, das keiner sieht. Für die Menschen, die wir begleiten - all die vielen Momente von der Wiege bis zur Bahre –bleibt Kirche lebenswichtig und damit relevant", betont Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst.
"Ich wünsche uns, dass wir ganz viele heilige Tage erleben", blickt Wüst in ihrer Weihnachtsbotschaft über die Festtage hinaus."Dass wir uns nicht ständig blenden lassen von Dingen, die es nicht wert sind. Denn dann werden wir einen Stern sehen. Dass wir feinsinnig lauschen lernen durch den Lärm des Alltags hindurch. Denn dann werden wir den Gesang der Engel hören. Dass wir auf der Spur bleiben und uns nicht allzu gemütlich einrichten. Damit wir nicht das Beste verpassen. Und das Beste liegt nun eben in der Krippe. Der Herr und Heiland meines Lebens."

Festgottesdienste mit der Kirchenpräsidentin
Kirchenpräsidentin Wüst predigt an Heilig Abend, 24. Dezember um 18 Uhr in der Stiftskirche Kaiserslautern. Am ersten Weihnachtstag, 25. Dezember, predigt sie um 10 Uhr in der Gedächtniskirche Speyer. Am ersten Januar 2023 hält Dorothee Wüst um 17 Uhr in der Stiftskirche Kaiserslautern Gottesdienst.