Große Chancen für den regionalen Technologie- und Wirtschaftsstandort sieht die Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz in der neuen und lange erwarteten Wasserstoffstrategie des Bundes. Bis 2030 soll die Wasserstofftechnologie, die bei der Energiewende eine zentrale Rolle spielt, technisch ausgereift und flächendeckend verfügbar sein.
Damit biete sich für die Pfalz die einmalige Gelegenheit, die starke Position ansässiger Technologieanbieter auf internationalen Märkten auszubauen und den Folgen von Corona die Stirn zu bieten, betont die IHK Pfalz.
"Wasserstoff ist einer der vielversprechendsten Energieträger der Zukunft, er kann entscheidend dazu beitragen, die ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen", so Jürgen Vogel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz. "Er kann CO2-neutral hergestellt, über größere Distanzen transportiert und längere Zeit gespeichert werden. Besonders im Bereich der Mobilität bietet er sich bei der Beförderung schwerer Lasten per LKW, Bussen oder Zügen als wichtige Ergänzung zur rein batteriebetriebenen Antrieben an", so Vogel. Damit könne Wasserstoff eine wichtige Rolle bei der angestrebten Verkehrswende spielen. "Aber auch bei der Umstellung energie-intensiver Produktionsverfahren im Sinne einer angestrebten CO2-Neutralität wird der Wasserstofftechnologie ein grundlegende und bedeutsame Rolle zukommen", prognostiziert der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz.
"Hier in der Pfalz haben wir Startvorteile, die wir nutzen müssen. Wir verfügen über Forschungseinrichtungen, Technologie- und Transferstellen und über die unbändige Innovationskraft sowie wertvolle praktische Erfahrung unserer international agierenden Branchengrößen." Besonders wertvoll sei, dass die Metropolregion Rhein-Neckar sich durch den Aufbau eines funktionierenden Wasserstoffkreislaufs zur H2-Modellregion weiterentwickeln wolle. "Die Pfalz bringt alle Voraussetzungen mit, um zum innovativen Treiber der Wasserstofftechnologie zu werden", betont Vogel. "Diese Chance müssen wir ergreifen, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in Folge des Corona-bedingten Konjunktureinbruchs."
Die neue Wasserstoffstrategie des Bundes stelle hier ebenso wichtige Weichen wie das Konjunkturpaket, das bis 2025 den Ausbau eines flächendeckenden Netzes von 1.000 Wasserstofftankstellen vorsieht, so Vogel. "Ohne den Aufbau einer entsprechenden Tank- und Ladeinfrastruktur, ohne Unterstützung neuer, vielversprechender Technologien bereits bei Forschung und Entwicklung und bei der späteren Markteinführung ist die Energiewende schlicht nicht zu meistern."
Umso wichtiger sei es aus Sicht der Wirtschaft, dass der Bund mit seinen Vorhaben die ebenfalls neue Wasserstoffstrategie des Landes Rheinland-Pfalz ergänzt. Die im letzten Mai veröffentlichte Landesstrategie unterstützt die Entwicklung von Motoren für die Direktverbrennung von Wasserstoff und stärkt damit den Nutzfahrzeug-Sektor. "Ein Umstieg auf alternative Antriebe wird nur gelingen, wenn attraktive, praktikable und marktreife Technologien zur Verfügung stehen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen der Landesregierung und dem Bund ist künftig unverzichtbar, um Maßnahmen aufeinander abzustimmen und Synergieeffekte zu nutzen. Nur so können wir zur innovativen Wasserstoffregion werden", gibt Vogel zu bedenken. (spi)