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Für mehr Biodiversität in Heidelberg: Um der Natur im Stadtgebiet mehr Raum zu geben und so die Artenvielfalt zu stärken, hat die Stadt im Rahmen des Projekts "Urban NBS – Mehr Biologische Vielfalt im Siedlungsbereich" auf einem Projektgebiet in der Südstadt gezielte Maßnahmen entwickelt. Das Projekt, das seit Ende 2016 läuft, ist nun abgeschlossen. Die erfolgreichen Maßnahmen werden nun auf das ganze Stadtgebiet übertragen. Bürgermeister Wolfgang Erichson und Sabine Lachenicht, Leiterin des städtischen Amtes für Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie, haben bei einem Pressetermin in der Kleingartenanlage Kirchheimer Loch am 29. Mai 2019 ihre Erfahrungen zusammengefasst. In der Gartenanlage stehen seit kurzem ein Schwalbenturm und zwei Insektenhotels.

"Das Projekt hat gezeigt, dass schon kleine Veränderungen dazu beitragen, dass sich mehr Arten im Siedlungsbereich ansiedeln. Einige Blüten locken verschiedene Arten von Schmetterlingen an; ein einzelner Nistkasten kann das Zuhause für eine Rotschwanzfamilie sein. Auch nach dem Abschluss des Projekts werden wir die Maßnahmen fortführen: Die Erfahrungen aus dem Projektgebiet können wir nun auf die ganze Stadt übertragen. Außerdem haben wir einen Handlungsleitfaden erstellt, der anderen Kommunen als Modell und Orientierung dienen kann", so Wolfgang Erichson.

Gezielte Methoden und Mitmach-Aktionen
Lebensräume für Fauna und Flora erhalten und anlegen, Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und einfache Aktionen sollen Tieren und Pflanzen helfen, sich weiter zu verbreiten oder auch sich neu anzusiedeln. Dazu wurden beispielsweise Wiesen nur noch zweimal pro Jahr gemäht, um Tieren, insbesondere Insekten, Nahrungs- und Fortpflanzungsmöglichkeiten zu geben. Auf dem Gelände des Kleingartenvereins Kirchheimer Loch, des Tennisvereins TC Schwarz-Gelb, des Helmholtz-Gymnasiums und der Julius-Springer-Schule wurden Nisthilfen für Mehlschwalben, Mauersegler und Hausrotschwänze sowie Kästen für Fledermäuse angebracht.
Auch Bürgerinnen und Bürger wurden in das Projekt miteingebunden: Bereits bei einer Auftaktveranstaltung im Oktober 2016 konnten sich alle Interessierten, vor allem die Schulen, Vereine und Kleingärtner im Projektgebiet, über das Projekt und die verschiedenen Möglichkeiten zur Stärkung der Artenvielfalt informieren. Bei Workshops, Seminaren und Mitmach-Aktionen konnten die Teilnehmenden beispielsweise lernen, wie Nistkästen gebaut werden, welche Unterstützung Tiere im Winter benötigen oder wie Gärten im Sinne der Artenvielfalt gepflegt werden. Die Stadt stellte außerdem Baumaterialien für Nistkästen und Vogelhäuser sowie Saatgut für eine Wildblumenwiese zur Verfügung.

Neues Zuhause für Schwalben und Bienen im Kirchheimer Loch
Als eine der größeren Maßnahmen im Rahmen des Projekts hat die Stadt auf der Kleingartenanlage Kirchheimer Loch einen Schwalbenturm und zwei Insektenhotels errichtet. Der Schwalbenturm ist eine künstliche Nisthilfe, in der eine große Mehlschwalbenkolonie hausen kann. Im Turm befinden sich 48 Mehlschwalbennester, außerdem sind auf dem Dach drei Fledermauskästen und sechs Nisthöhlen für Haussperlinge. Die Insektenhotels sind circa 1,8 Meter breit und 1,7 Meter hoch. Ihre Füllung soll vor allem Wildbienen anlocken. Ein Hotel steht direkt neben dem Schwalbenturm.

Hintergrund:
Das Projekt Urban-NBS wurde im Februar 2018 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Das Projekt wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen der Förderbekanntmachung "Forschung zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt". Zu den Projektpartnern gehörten außerdem das Leibnitz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden, das Institut für Wohnen und Umwelt in Darmstadt, die Deutsche Umwelthilfe und die Stadt Bielefeld. In Heidelberg wurde das Projekt durch die NABU-Gruppe Heidelberg und den BUND Heidelberg unterstützt. Das Projektgebiet lag in der Heidelberger Südstadt zwischen dem Schrebergartenweg im Westen und der Rohrbacher Straße im Osten sowie der S-Bahn-Linie im Norden und der Sickingenstraße im Süden. Es umfasste sowohl städtische Flächen wie die Ausgleichsflächen für die Bahnstadt, Teile der Konversionsflächen, das Gelände von Sportvereinen und Schulen als auch die private Anlage des Kleingartenvereins Heidelberg Stadt e.V.
Weitere Informationen gibt es online unter www.heidelberg.de > Leben > Umwelt & Nachhaltigkeit > Natur & Landschaft > Biologische Vielfalt oder unter www.urban-nbs.de. (spi/Foto: Philipp Rothe)