Von Michael Stephan
Die Fahrt durchs Nürnberger Land ist eine Zeitreise in die Ära der Ritter und Burgherren. Schon am Startpunkt in Lauf a.d.Pegnitz bietet das Wenzelschloss einen ersten Vorgeschmack auf die historischen Glanzpunkte in der Region. Im 14. Jahrhundert ließ Kaiser Karl IV. diese stattliche Burg an der „Goldenen Straße“, die als wichtige Handelsroute zwischen Nürnberg und Prag diente, errichten. Ihr Prunkstück ist der Wappensaal mit 112 in die Wand gemeißelten Schilden.
Kaum hat man der malerischen Altstadt des Städtchens den Rücken gekehrt, beginnt das reine Kurvenvergnügen auf gut ausgebauten Landstraßen. Das Nürnberger Land liegt in der
Mittelgebirgslandschaft der Frankenalb, die oft von wenig befahrenen Straßen durchzogen wird. Am Straßenrand sieht man die Spuren einer jahrhundertealten Hirtenkultur: Ehemalige Hutanger, auf denen früher die Dorfbewohner ihre Kühe und Schafe weiden ließen, und Obstanger mit hochstämmigen Bäumen umgeben die Dörfer. Klare Flüsse sprudeln zwischen Kalkfelsen durch ihre engen Täler, romantische Mühlen liegen an ihrem Ufer und in den Orten entlang des Wegs gruppieren sich pittoreske Fachwerkhäuser um die Dorfkirchen. Das Dorfleben ist geprägt von lebendigen
Traditionen: Im Frühling ziehen die prächtig geschmückten Osterbrunnen die Blicke auf sich. Den Sommer über laden die ausgelassenen Kirchweihfeste zum Mitfeiern ein.
Hoch über all dem erheben sich immer wieder mächtige Burgen. Wie keine andere fränkische Burg ragt die Burg Hohenstein kühn auf einem gewaltigen Dolomitenriff empor. Ihre rundum exponierte, steile Lage ersparte sogar den Burggraben, der ansonsten eine Annäherung erschweren und Schutz bieten sollte. Mit 634 Metern ist der Hohenstein der höchste bewohnte Punkt Mittelfrankens. Die Entstehung der Burg dürfte in die zweite Hälfte des 11. Jh. zurückreichen. Erst im 12. Jh. wird Hohenstein urkundlich erwähnt. Das war im 1163, als die Äbtissin des Klosters Bergen mit Einverständnis des Kaisers Friedrich I. Barbarossa den Sicolinus von Hohenstein zum Vogt über die Güter des Klosters in und um Hersbruck wählte. Die Burg diente als Vogtsitz mächtiger Herren. Die wechselvolle Geschichte der Burg endet im Jahr 1983, als der Verschönerungsverein Hohenstein die Burg vom Freistaat Bayern kaufen konnte. Seit 2001 ist die Burg nach vielen baulichen Maßnahmen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Burg Hartenstein wurde vermutlich um das Jahr 1250 errichtet, wird heute gerne als Hochzeits-Location gebucht und überzeugt mit einem ausgezeichneten Burgrestaurant, von deren Terrasse ein umwerfender Blick in die Weite des Nürnberger Landes zu erleben ist. Hier den Sonnenuntergang zu erleben – wahrlich ein besonderes Erlebnis. Im frühen 13. Jahrhundert entstand die Burg Thann (Gemeinde Burgthann), deren runder Bergfried mit einer äußeren Mauerschale noch immer hoch aufragt. Hier auf Burg Thann werden im Jahr 2021die
Burgfestspiele mit dem Schauspiel „Eppelein von Gailingen“, ein Volksstück über einen ehrlichen Strauchdieb, aufgeführt.
Mehr als 100 Höhlen gibt es im Nürnberger Land, darunter die Maximiliansgrotte bei Neuhaus a.d.Pegnitz. Ein mächtiger Zeitzeuge aus Millionen von Jahren entstanden und erst im Jahr 1852 erkundet. Unmerklich für Generationen und trotzdem beständig, wachsen die Stalaktiten von der Decke und die Stalagmiten am Boden. Dafür gibt es in den mehr als 1.200 m langen und bis zu 70 m tiefen Labyrinthen der Grotte tausende Zeugen. Mal als Gebilde, die an Tiere erinnern wie in der Adlergrotte oder beim Elefanten, mal pfeifenähnlich wie in der Orgelgrotte. Aber betrachten Sie es mit eigenen Augen, lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und interpretieren Sie eine faszinierende Welt unter der Erde selbst. Auf Ihrem etwa halbstündigen Weg durch die Grotte gibt es genügende Gelegenheit dazu. Und danach machen Sie eine Einkehr im Grottenhof, nur wenige Meter von der Grotte entfernt. Hier bekommen Sie den Original Grottenkäse; aus Kuhmilch handgekäst, geräuchert und in der Maximiliansgrotte gereift. Und dazu hausgemachtes Holzofenbrot – ein Genuss.
Zu jeder Jahreszeit ist die Schwarzachklamm einen Ausflug wert. Zwischen dem Brückkanal bei Feucht und Gsteinach, einem Ortsteil von Schwarzenbruck, hat sich die Schwarzach tief in das Gestein gegraben. Im Lauf der Jahrmillionen hat sich das Wasser der Schwarzach durch diesen Burgsandstein seinen Weg gebahnt und dabei Höhlen geschaffen: die Karlshöhle und die Gustav-Adolf-Höhle. Die Schlucht gehört zu Bayerns schönsten Geotopen.
„Eine Schifffahrt, die ist lustig“, behauptet ein Volkslied. Das stimmt-vor allem, wenn das Schiff von einem Ein-PS-Hafermotor bewegt wird, also von einem Pferd, wie man es im Sommer auf einem Teilstück des alten Ludwig-Donau-Main-Kanals im Süden des Nürnberger Landes erleben kann. Vom Mut und Erfindungsgeist der Planer künden heute noch die Brückkanäle bei Feucht. Die Wasserstraße überquert die wild anmutenden Täler der Schwarzach und des Gausbachs auf monumentalen steinernen Brücken. Zu beiden Seiten des Kanales verlaufen die alten Treidelpfade, die zum Wandern oder Radfahren einladen. Der Brückkanal ist ein beliebtes Ausflugsziel, nicht zuletzt wegen der gleichnamigen Ausflugsgaststätte mit herrlich schönen Biergarten. Und da sind wir wieder beim Genuss, der hier im Nürnberger wahrlich groß geschrieben wird. Ob ein „Schäufele“ (Schweinebraten mit Schulterknochen und knuspriger Kruste) oder „Brodwärschdla“ (Bratwürste), das fränkische Grundnahrungsmittel, hungrig oder gar durstig muss hier niemand nach Hause gehen.
Infos: Nürnberger Land Tourismus, Waldluststr. 1, 91207 Lauf a.d.Pegnitz; Tel. 09123 9506062; www.urlaub.nuernberger-land.de