Am 1. Dezember, und damit rechtzeitig vor Weihnachten, konnte der Dombauverein ein neues Buch vorstellen. Das heißt, ganz neu ist es nicht, doch das 1995 erschienene Werk "Der salische Dombau zu Speyer" des Architekten und Bauhistorikers Dr. Jörg Finkbeiner war seit längerem vergriffen. Sponsoren ermöglichten nun eine Neuauflage, sodass das kenntnisreich geschriebene und reich illustrierte Buch über die Erbauung des Doms neu aufgelegt werden konnte.

Für den Dombauverein, der das Buch herausgebracht hat, begrüßte dessen Vorstand Prof. Dr. Gottfried Jung die rund 90 Menschen, die zur Vorstellung in den Historischen Ratssaal der Stadt Speyer gekommen waren. Die Frage "Wie konnten die Menschen im Mittelalter solch ein gewaltiges Bauwerk überhaupt errichten?" werde in dem Buch auf verständliche Weise beantwortet, sagte Jung. Daher sei es dem Dombauverein auch ein Anliegen gewesen, das Buch wieder aufzulegen und damit den Dombau zu würdigen und zugleich für den Domerhalt zu werben. Der Dom strahle Ruhe und Beständigkeit aus und sei damit ein in dieser Zeit dringend benötigtes Bauwerk.
Der Autor Jörg Finkbeiner zeigte in seiner Präsentation einzelne Seiten der Publikation und erläuterte seine Aussagen an Hand bildlichen Darstellungen. Er begann mit der Gründungsgeschichte des salischen Doms und nahm auf Vorgängerbauten und weitere Gründungen von Salierkaiser Konrad II. Bezug. Dabei machte er deutlich, dass der Speyerer Dom, auch unter den anderen romanischen Domen wie Worms und Mainz, eine absolute Sonderstellung innehat. Als kaiserliche Basilika wurden hier etliche Pionierleistungen der Baugeschichte vollbracht, darunter das riesige Stufenportal, die durchgehende Überwölbung und die Gestaltung als Wegkirche mit dem Hauptaltar im Osten. Der gewaltige Steinbau stand dabei ohnehin in krassem Gegensatz zu den Flechthäusern, die sich in der Umgebung des Doms befanden, so Finkbeiner.
In der Folge konzentrierte er sich auf den Baufortschritt und die Betrachtung einzelner Gewerke. Dabei klärte der Bauhistoriker die Frage, von wo die Steine für den Dombau stammen und wie sie von den Steinbrüchen an der Haardt und im Neckartal mit Flößen und Ochsenkarren zum Dom gebracht und dort in größere Höhen transportiert wurden. Während die Werkzeuge der Steinmetze sich bis heute kaum verändert haben, sieht dies bei der Holzbearbeitung anders aus. Holz wurde in großen Mengen für die Stangengerüste und abschließend für die Dachbalken benötigt. Eine Reihe von kniffligen Aufgaben gab es beim Bau zu bewältigen, wie diese gelöst wurden, kann aus einigen wenigen mittelalterlichen Zeichnungen anderer Bauvorhaben abgeleitet werden, da der Bau des Speyerer Doms selbst weder schriftlich noch bildlich dokumentiert ist. So entstand die romanische Kathedrale während des Vortrags Stück für Stück vor dem geistigen Auge der Zuhörer. Dank des neu aufgelegten Buchs kann die Baugeschichte von allen nachvollzogen werden, welche sich dessen Lektüre widmen.
Möglich wurde der Neudruck des Buchs, nachdem sich Sponsoren für dessen Herstellung gefunden hatten. Zunächst musste das ursprüngliche Buch digitalisiert werden, da keine Druckdaten mehr vorhanden waren. Auch die Druckkosten waren zu bewältigen, denn das Buch sollte nicht auf Kosten des Doms produziert werden, sondern umgekehrt mit dem Verkaufserlös zu dessen Erhalt beitragen.
Dipl.-Ing. Oliver Kleiner, Vorsitzender des Rheinland-Pfälzischen Landesverbandes des Bundes Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure, erläuterte, wie der Verband, der selbst seit mehr als 20 Jahren Mitglied im Dombauverein ist, sich schnell für das Buchprojekt begeistern konnte. Der Dom sei mit seiner langen Geschichte der Instandhaltung ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit und entspräche damit den Zielen des Berufsverbandes. "Instandhaltung erhält die Baukultur", sagte Kleiner und plädierte für eine Orientierung an früheren Baumeistern für eine gelungene Instandhaltung bestehender Bauten.
Prof. Dr. Dr. mult. h.c. Peter Eichhorn sprach für die Dr. Bernhard Vogel Stiftung, die ebenfalls einen finanziellen Beitrag zum Neudruck geleistet hatte. Für ihn informiert das Buch wunderbar anschaulich den Dombau und erschließt auch das Leben derer, die den Dom gebaut haben.
Joachim Becker, Vizepräsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, stellte als Grund für die finanzielle Unterstützung die Vorbildfunktion des Doms in den Mittelpunkt. Während heutige Großbauten oft nur unter gewaltigem CO2-Ausstoß gebaut werden könnten, sie der Dom CO2-neutral errichtet worden. Er würdigte den Gestaltungswillen der Baumeister, der sich in der beachtlichen Wirkung auf den Betrachter zeige, im Mittelalter wie heute.
Das Grußwort der Weinbruderschaft Berwartstein als vierter Sponsorin wurde von Gottfried Jung vorgetragen. Auch hier fiel das Stichwort Nachhaltigkeit, was sich in der Erhaltung des Doms zeige und in den Werten der Weinbruderschaft spiegele.
Das Schlusswort hatte Weihbischof und Dompropst Otto Georgens, dem die 1. Auflage des Buchs zum 10-jährigen Bischofsjubiläum gewidmet worden war. Für ihn zeige das Buch, wie wichtig die Arbeit jedes kleinen Handwerkers für das Zustandekommen des größten erhaltenen romanischen Doms der Welt gewesen sei.
Das Buch ist mehrsprachig verfasst (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch) und ist somit auch für internationale Gäste interessant. Erhältlich ist es zum Preis von 9,80 Euro in der Dom-Info sowie im Speyerer Buchhandel.