"Singen macht glücklich" – so eröffnete Weihbischof Otto Georgens am Ostermontag seine Predigt im Speyerer Dom. Unzählige Berichte, Reportagen und Experimente würden diese These untermahlen. Ob sich dies auch in der biblischen Geschichte wiederfinden lasse? "Ich glaube, es wird nirgends überliefert, ob die Jünger Jesu und ob Jesus selbst irgendwann mal gesungen hat.
Die Emmausjünger tun aber schon mal eines: Sie reden miteinander. Das ist besser, als seinen Kummer in sich hineinzufressen oder ihn zu verdrängen", so Georgens.
Sie seien außerdem offen gewesen für Fragen eines Fremden, und auch dafür, von ihm hinterfragt zu werden. "Manchmal klärt sich schon etwas, wenn man einem Anderen Rede und Antwort stehen muss, weil das verlangt, die eigenen Gedanken zu sortieren und verständlich zu machen." Und schließlich sind sie "aber auch offen für die Deutung, die der Fremde liefert. Sie wissen nicht alles besser, sondern hören zu".
Weihbischof Georgens: "Das alles ist wie eine religionspädagogische Geschichte für unser Leben als Gemeinde, als Kirche heute. Wenn wir im Glauben stark werden wollen, wenn wir mit unseren Fragen und Zweifeln konstruktiv umgehen wollen, dann brauchen wir Erzählgemeinschaften." Über die Gottesdienste hinaus brauche es die Möglichkeit, sich auszutauschen, darüber zu sprechen, was bedrückt und beschäftigt – nicht nur mit denen, deren Antworten "wir eh schon kennen. Es ist eine Bereicherung für uns, wenn wir mit Leuten ins Gespräch kommen, die uns kritische Fragen stellen, vielleicht uns sogar provozieren mit einer Gegenposition, die wir nicht teilen können. Nur so kann eng gewordenes Denken aufgebrochen und geweitet werden, weil neue Gedanken weiterhelfen, weil wir manchmal betriebsblind sind und die andere Sicht brauchen, um aus Sackgassen herauszufinden. Und vielleicht das Wichtigste: Es reicht auch nicht, dass wir nur verkopft miteinander reden. Das Herz muss brennen."
Wenn das Herz brenne, "dann fangen wir wahrscheinlich automatisch zu singen an", resümiert Georgens. "Und auch, wenn nirgends davon berichtet wird, ich kann es mir nicht anders vorstellen, dass auch Jesus mit seinen Jüngern gesungen hat: ‚Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt‘ (Kol 3,16)."